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"Wenn ich laut wäre, würde ich Theater spielen..." Für Kai Georg Wujanz ist der Prozess des künstlerischen Schaffens ein in sich gekehrter Versuch, sich selbst aufzuspüren, für sich selbst Standpunkte zu finden. Seine Arbeiten sind wie eine geographische und philosophische Reise durch seinen Kopf. Die Eloquenz der Bilder ersetzt ihm dabei den sprachlichen Austausch. (L. Venn) Kai Georg Wujanz wird 1965 in Lünen geboren, wächst jedoch in West-Berlin auf. Trotz seines bereits offensichtlichen künstlerischen Talents erlernt er zunächst den Beruf des Klavierbauers, es folgt eine kurze Gesellenzeit als Akkordarbeiter in einer Klavierfabrik. Von 1987 bis 1993 studiert er Innenarchitektur an der Fachhochschule in Darmstadt und ist in dem Berufsfeld des Architekten und Innenarchitekten bis 2000 tätig, von 1997 an zusammen mit zwei Partnern im eigenen Büro. Parallel dazu stellen sich erste Ausstellungserfolge in der Kunst ein. Im Sommer 2000 tritt Kai Georg Wujanz freiwillig aus der Architektengemeinschaft aus, um sich fortan ganz seiner Kunst widmen zu können. Der Begriff "Heimat" ist das zentrale Thema seiner künstlerischen Arbeit. Heimat ist für Kai Georg Wujanz nie ein lebensbegleitendes Dauergefühl, sie muss immer wieder neu gesucht und definiert werden. Er ist in West-Berlin aufgewachsen und in die Lehre gegangen, ist aber kein gebürtiger Berliner. Die Familie wechselt nach Westdeutschland. Delmenhorst und das Oldenburger Land werde weitere Lebensstationen. Mütterlicherseits liegen die Wurzeln in Bremerhaven, väterlicherseits in der sorbischen Oberlausitz. DDR-bedingt können hier keine üblichen familiären Bande entstehen. Mit sechs Jahren wird Kai Georg Wujanz von seinen Eltern auf ein Segelboot gesetzt. Der Virus des Hochseesegelns lässt ihn von da an nicht mehr los. Die geplante und später durchgeführte Weltumsegelung der Eltern war der Beweggrund, von Berlin weg in den Norden zu ziehen. Das Wasser wird eine ganz wesentliche Heimat für den Künstler. Er bereist in Etappen die Karibik, Polynesien, Fidji und Südafrika. Kai Georg Wujanz hat immer wieder Bilder vom Wasser gemalt. In den 80er Jahren vereinzelt, seit 2003 Jahren sind diese Landschaftsbilder ein regelmäßiger Bestandteil seiner künstlerischen Arbeit. Weil er irgendwie doch ein Norddeutscher geworden ist in den vierzig Jahren. Weil er seit seinem Studium im südhessischen "Exil" lebt und immer mal wieder für einen kleinen Moment abtauchen muss in dieses ganz besondere Licht, diesen endlos gestaffelten Wolkenhimmel. Die Anu-Bilder sind seit Anfang 2008 neben den Wasserbildern der zweite Bilderzyklus, der sich mit der "zwischenmenschlichen Heimat" befasst. Die Arbeiten erinnern in ihrem Schwarz-Weiß-Kontrast an Holzschnitte, sind aber mit Spachtel und Acrylmasse zu Papier gebracht. Die Arbeiten entstehen schnell, innerhalb weniger Minuten. Anu bleibt dabei die eigentliche Unbekannte, sie ist Fiktion. Der Künstler arbeitet ohne Modell, am Ende steht eine unerwartete Begegnung mit dem fertigen Werk. Der hessischen Wahlheimat nähert sich der Künstler mit großen, raumfüllenden Skulpturen. Hier ist es zum einen das archäologische Erbe der Kelten und Römer sowie die gewachsene Besiedlungsstruktur mit all ihren heutigen wirtschaftlichen und kulturellen Konsequenzen, die Einfluss auf die Arbeit von Kai Georg Wujanz haben. Für den Regionalpark RheinMain hat der Künstler eine keltische Begräbnisgruppe um ein rekonstruiertes Hügelgrab entworfen und gebaut. Die Gruppe steht im Halbkreis um das Hügelgrab. Die Oberflächenbeschaffenheit erinnert an mumifizierte Leichen, als "historischer Anteil"; die Ausführung aus Flachstahl an Beinen und Händen stellt die "moderne Annährung" an das Thema dar. Die Figuren sind lebensgroß und heute ein sehr beliebter Ausflugsort für Ortsansässige und archäologische Exkursionen. Wenn man sich hinter die Skulpturen stellt oder einreiht kann man gedanklich die Ahnenkette vervollständigen. Ebenfalls für den Regionalpark RheinMain schuf der Künstler die Skulptur des "Seelenvogels", der in Egelsbach auf einer Stahlsäule weithin sichtbar Wunsch und Wirklichkeit des Fliegens symbolisiert. Kai Georg Wujanz ist aufgrund seiner diversen beruflichen Ausbildungen in der Lage, sämtliche erforderlichen Arbeiten, die zur Durchführung solcher Großskulpturen erforderlich sind, selber auszuführen. Wenn man so will ist das auch eine "Heimatkonstante". Das Wissen um die Architektur, das er für die Kunst einst beiseite gelegt hatte, hat ihn bei diesen Bauprojekten eingeholt. Der Künstler agiert hier als Generalplaner, Bau- und Projektleiter. | |